Wo eine Göttin ist, ist auch ein Gott
Männlicher Fruchtbarkeitswahn als Grundlage von Theologie

Warum Gott MUTTER und nicht Göttin, Muttergöttin oder Muttergottes?
Eine Zeitreise vom Ursprung von Religion zum patriarchalen Missbrauch von Religion durch Theologie | Teil 3

Kirsten Armbruster | Mai 2018

Doppeltes Steinrelief aus Catal Höyük, Datierung circa 6500 v.u.Z.; auf der rechten Seite wird eine Mutter mit Kind auf dem Arm dargestellt; in Verbindung mit dem linken Teil der Abbildung, der einen Sexualakt darstellt, haben wir es bei diesem Steinrelief mit der menschengeschichtlich ersten Darstellung eines Kindes als Ergebnis eines heterosexuellen Sexualkontaktes zu tun und damit mit der ersten Indoktrinierung der Bewusstwerdung von Vaterschaft als bilineare Abstammung; Foto Franz Armbruster: Archäologisches Museum für anatolische Zivilisationen, Ankara
Dop­pel­tes Stein­re­li­ef aus Catal Höyük, Datie­rung cir­ca 6500 v.u.Z.; auf der rech­ten Sei­te wird eine Mut­ter mit Kind auf dem Arm dar­ge­stellt; in Ver­bin­dung mit dem lin­ken Teil der Abbil­dung, der einen Sexu­al­akt dar­stellt, haben wir es bei die­sem Stein­re­li­ef mit der men­schen­ge­schicht­lich ers­ten Dar­stel­lung eines Kin­des als Ergeb­nis eines hete­ro­se­xu­el­len Sexu­al­kon­tak­tes zu tun und damit mit der ers­ten Indok­tri­nie­rung der Bewusst­wer­dung von Vater­schaft als bili­nea­re Abstam­mung | Foto Franz Arm­brus­ter: Archäo­lo­gi­sches Muse­um für ana­to­li­sche Zivi­li­sa­tio­nen, Anka­ra

Der Wechsel vom Lebensbild der Natürlichen Integrativen Ordnung der Mutter zu einer auf männlicher Hybris beruhenden hetero-polaren theologischen Weltordnung als erster Phase der Patriarchalisierung

Die obi­ge Abbil­dung aus Catal Höyük in Ana­to­li­en in der Tür­kei, die auf cir­ca 6500 v.u.Z. und damit cir­ca 500 Jah­re nach dem Beginn der Rin­der­do­mes­ti­ka­ti­on (7000 v.u.Z.) datiert wird, mar­kiert mit der men­schen­ge­schicht­lich ers­ten Dar­stel­lung von Vater­schaft als bili­nea­rer Abstam­mung eine Kul­tur­re­vo­lu­ti­on, da sie erst­mals bio­lo­gi­sche Vater­schaft der Mut­ter­schaft gegen­über­stellt. Nicht zufäl­lig geht die ers­te Dar­stel­lung von Vater­schaft in der Geschich­te der Mensch­heit ein­her mit dem Bild einer Mut­ter mit Kind auf dem Arm, denn Vater­schaft ist im Gegen­satz zu Mut­ter­schaft in der Natur nicht offen­sicht­lich, muss also expli­zit mar­kiert wer­den.

Für uns ist die obi­ge Dar­stel­lung eine ver­trau­te und schein­bar schlüs­si­ge Dar­stel­lung, weil wir mit der geschlech­ter­po­la­ren Vater-Mut­ter-Kind-Indok­tri­nie­rung des Patri­ar­chats groß gewor­den sind. Tat­säch­lich bedeu­tet sie aber einen Bruch mit der Natür­li­chen Inte­gra­ti­ven Ord­nung der Mut­ter, sug­ge­riert sie doch, dass Vater und Mut­ter zu glei­chen Tei­len an der Ent­ste­hung eines Kin­des betei­ligt sind, was aber nicht den bio­lo­gi­schen Tat­sa­chen ent­spricht. Und um es gleich vor­weg zu neh­men: Das ist nicht män­ner­feind­lich, son­dern für uns nur auf den ers­ten Blick unge­wohnt, weil patri­ar­chats­fremd!

Die bio­lo­gi­schen Tat­sa­chen zei­gen, dass eine Mut­ter 99 % zur Ent­ste­hung eines Kin­des bei­trägt, nicht nur dadurch, dass der Lie­bes­akt und die Schwan­ger­schaft in ihrem Kör­per statt­fin­den, und auch die Ernäh­rung des Säug­lings über ihren Kör­per sicher gestellt ist, son­dern auch – wie wir heu­te wis­sen – durch die Müt­ter­li­chen Effek­te, die besa­gen, dass der Mann zwar über sein Sper­mi­um einen hal­ben Chro­mo­so­men­satz zur Ent­ste­hung eines Kin­des bei­trägt, ansons­ten aber alle bio­lo­gi­schen Syn­the­se­pro­zes­se durch das Zyto­plas­ma der Eizel­le initi­iert wer­den, da das Sper­mi­um selbst nicht über Zyto­plas­ma und die dar­in ver­an­ker­ten Zell­or­ga­nel­len ver­fügt (sie­he Mut­ter­bio­lo­gi­sche Tat­sa­chen). Der Mann ist als Lieb­ha­ber im hete­ro­se­xu­el­len Lie­bes­akt das Gegen­über der Frau, aber er ist nicht als bio­lo­gi­scher Vater das Gegen­über der bio­lo­gi­schen Mut­ter. Die obi­ge Dar­stel­lung ist also die Kern­lü­ge des Patri­ar­chats.

Die biologischen Tatsachen:

99 % Mut­ter + 1% Vater = Kind

Die Ent­ste­hung der Viel­falt mensch­li­chen Lebensweib­li­chen, männ­li­chen, inter­se­xu­el­len und trans­se­xu­el­len Lebens mit allen Varia­tio­nen erfolgt zu 100 % im Kör­per der Mut­ter. Das ist die Natür­li­che Inte­gra­ti­ve Ord­nung der Mut­ter, an die mensch­li­ches Leben gebun­den ist, wes­halb Reli­gi­on immer nur eine Reli­gi­on von Gott MUTTER sein kann. Bio­lo­gi­sche Vater­schaft im Sin­ne einer gerin­gen Betei­li­gung des Man­nes an der Ent­ste­hung neu­en Lebens durch den Lie­bes­akt gab es natür­lich schon immer, aber der Mann defi­nier­te sich im Paläo­li­thi­kum und im Modus I des Neo­li­thi­kums– anders als im Patri­ar­chat – nicht über sei­ne bio­lo­gi­sche Vater­schaft, weil für alle ja offen­sicht­lich war und natür­lich auch heu­te noch ist, dass der größ­te Teil der Gene­ra­tio­nen­fol­ge durch die Mut­ter erfolgt.

Die Kernlüge des Patriarchats:

50 % Vater + 50 % Mut­ter = Kind

Die­se Kern­lü­ge des Patri­ar­chats ver­sucht die durch die Natur vor­ge­ge­be­ne Hei­li­gung der Mut­ter in der Reli­gi­on von Gott MUTTER zu erset­zen durch die Hei­li­gung der aus­schließ­lich hete­ro­se­xu­el­len Sexua­li­tät. Das heu­ti­ge, all­ge­mein ver­an­ker­te, aus­schließ­lich pola­re Geschlech­ter­den­ken, das mit Homo­pho­bie und der Dis­kri­mi­nie­rung der Vari­anz von Inter­se­xua­li­tät und Trans­se­xua­li­tät ein­her­geht, nimmt mit der ideo­lo­gi­schen Imple­men­tie­rung von bio­lo­gi­scher Vater­schaft ihren Anfang und ersetzt im Lau­fe der zuneh­men­den Patri­ar­cha­li­sie­rung die Natür­li­che Inte­gra­ti­ve Ord­nung der Mut­ter durch die Hei­li­gung des hete­ro­se­xu­el­len Paa­res. Par­al­lel ent­ste­hen die ers­ten männ­li­chen Göt­ter und Gott MUTTER, in der alle Natur­er­schei­nun­gen ursprüng­lich ver­eint waren, wird im Lau­fe des Neo­li­thi­kums auf­ge­spal­ten in vie­le Göt­tin­nen. Durch die vie­len Abspal­tun­gen wird sie geschwächt und schließ­lich durch den Mytho­lo­gi­schen Mut­ter­mord ganz abge­schafft. (Arm­brus­ter, Kirs­ten, 2010, S. 127 – 162).

1.1 Die Heiligung des heterosexuellen Paares und die Entstehung männlicher Götter

älteste, überlebensgroße, männliche Statue aus Ȿanliurfa (Urfa), in der Nähe von Göbekli Tepe, Datierung circa 8500 v.u.Z.; die Figur ist wahrscheinlich die erste Darstellung eines männlichen Gottes; Foto: Creative Commons 4.0 International, User: Cobija
Ältes­te, über­le­bens­gro­ße, männ­li­che Sta­tue aus Şan­li­ur­fa (Urfa), in der Nähe von Göbe­kli Tepe, Datie­rung cir­ca 8500 v.u.Z.; die Figur ist wahr­schein­lich die ers­te Dar­stel­lung eines männ­li­chen Got­tes | Foto: Crea­ti­ve Com­mons 4.0 Inter­na­tio­nal, User: Cobi­ja
Erstmalige Darstellung eines Sexualaktes in Ain Sakhri
Die bis­her ältes­te Dar­stel­lung eines Sexu­al­ak­tes aus einer Höh­le von Ain Sakhri. Da der Fund­ort eine Höh­le, also ein hei­li­ger Ort von Gott MUTTER ist, kön­nen wir davon aus­ge­hen, dass hier erst­mals Sexua­li­tät gehei­ligt wer­den soll und zwar aus­schließ­lich hete­ro­se­xu­el­le Sexua­li­tät. Bei­de Figu­ren len­ken die Auf­merk­sam­keit auf den männ­li­chen Bei­trag von Frucht­bar­keit | Foto: GNU Free Docu­men­ta­ti­on

Dass die ers­te Ver­schie­bung in Rich­tung eines patri­ar­cha­len Wan­dels mit der Her­den­do­mes­ti­ka­ti­on von Tie­ren beginnt und nicht zufäl­lig ab die­ser Zeit männ­li­che Göt­ter auf­tau­chen, kön­nen wir an den obi­gen Dar­stel­lun­gen able­sen. Im Archäo­lo­gi­schen Muse­um in Şan­li­ur­fa (Urfa), in der Nähe von Göbe­kli Tepe, eben­falls in der Tür­kei, fin­den wir eine mit 2 m über­le­bens­gro­ße Stein­fi­gur eines nack­ten Man­nes, der mit den Hän­den sei­nen Penis umfasst. Der Mann von Şan­li­ur­fa wird auf 8500 v.u.Z. datiert und kann als ers­ter männ­li­cher Gott in der Mensch­heits­ge­schich­te inter­pre­tiert wer­den. Nicht zufäl­lig umfasst er sei­nen Penis, denn das Ver­ständ­nis männ­li­cher Gött­lich­keit ist aufs engs­te kor­re­liert mit der Insti­tu­tio­na­li­sie­rung männ­li­cher Frucht­bar­keit, die sich in einem Phal­lus- und Eja­ku­lats­kult nie­der­schlägt, denn der eri­gier­te Penis schüt­tet ja bei einem Orgas­mus die wei­ße Sper­mi­en­flüs­sig­keit aus, der ja nach patri­ar­chal-quan­ti­ta­ti­ver Inter­pre­ta­ti­ons­wei­se eine grö­ße­re Bedeu­tung bei der Gene­ra­tio­nen­fol­ge zukommt als dem weib­li­chen Tier selbst, denn ein Schaf- oder Zie­gen­bock oder der Stier kann ja vie­le weib­li­che Tie­re decken und sei­ne Sper­mi­en dadurch weit­läu­fig ver­tei­len. Der hete­ro­se­xu­el­le Lie­bes­akt rückt dadurch ins Zen­trum des Inter­es­ses der neo­li­thi­schen Gemein­schaf­ten des Modus II und III. (Ein­tei­lung der vier Modi des Neo­li­thi­kums sie­he Bott, Ger­hard, 2009; S. 132 – 151). Dazu passt, dass in Ain Sakhri, in der Nähe von Beth­le­hem, im Gebiet des Frucht­ba­ren Halb­monds, das ers­te Mal in einer Höh­le eine Figur gefun­den wird, die einen Sexu­al­akt dar­stellt und auf 8000 v.u.Z. datiert wird. Da der Fund­ort eine Höh­le, also ein ursprüng­lich aus­schließ­lich hei­li­ger Ort von Gott MUTTER ist, kön­nen wir davon aus­ge­hen, dass hier erst­mals Sexua­li­tät gehei­ligt wer­den soll und zwar aus­schließ­lich hete­ro­se­xu­el­le Sexua­li­tät. Bei­de Figu­ren len­ken also die Auf­merk­sam­keit auf den männ­li­chen Bei­trag von Frucht­bar­keit.

Mit der Domes­ti­ka­ti­on von Tie­ren in Her­den kön­nen wir also den Beginn der Ent­ste­hung eines ers­ten The­os, eines männ­li­chen Got­tes nach­voll­zie­hen. Nicht zufäl­lig sind die ers­ten männ­li­chen Göt­ter Hir­ten­göt­ter, denn das Bewusst­sein männ­li­cher Frucht­bar­keit ist eng ver­knüpft mit der Wand­lung der männ­li­chen Jägeröko­no­mie zur männ­li­chen Hir­ten­öko­no­mie und damit von Anbe­ginn an mit Herr­schaft, denn Her­den­hal­tung bedeu­tet einen mas­si­ven Ein­griff in die bio­lo­gisch ver­an­ker­te sexu­el­le fema­le choice der Mut­ter­her­den. (Arm­brus­ter, Kirs­ten, 2010, S. S. 178 – 195).

Die Basis von Gott als Mann ist his­to­risch also eine auf männ­li­cher Hybris beru­hen­de Herr­schafts­ideo­lo­gie, eine herr­schaft­li­che Hir­ten­theo­lo­gie, die ver­bun­den ist mit einem Phal­lus­kult als Her­vor­he­bung männ­li­cher Potenz als Initia­tor von Frucht­bar­keit, einer Frucht­bar­keit, die erst­mals im Neo­li­thi­kum Bedeu­tung erlangt und des­sen Herr­schafts­em­ble­me bis heu­te Krumm­stab und Gei­ßel sind.

In die­ser Fehl­be­ur­tei­lung der unter­schied­li­chen bio­lo­gi­schen Wich­tig­kei­ten für die Gene­ra­tio­nen­fol­ge, liegt die zer­stö­re­ri­sche Basis des Patri­ar­chats, die der ein­zig­ar­ti­gen Mut­ter­fä­hig­keit nur Quan­ti­täts­den­ken ent­ge­gen­set­zen kann, das mit einem Wachs­tums­zwang ein­her­geht: Der bio­lo­gi­sche Vater setzt auf Frucht­bar­keit als Quan­ti­täts­den­ken, weil ein Stier vie­le Kühe „befruch­ten“ kann und mit dem Anwach­sen der Häup­ter einer Her­de erst­mals Pri­vat­ei­gen­tum akku­mu­liert wer­den kann, wel­che den Mann als Vater-Indi­vi­du­um aus der paläo­li­thi­schen Gesamt­hand­wirt­schaft mit ihrer all­um­fas­sen­den sozia­len Ver­ant­wor­tung und koope­ra­ti­ven, alle ein­be­zie­hen­den Für­sor­ge­ar­beit „befreit“ und dem Grund­prin­zip des Kapi­ta­lis­mus ent­spricht.

Wirt­schafts­wachs­tum und Bevöl­ke­rungs­wachs­tum sind bis heu­te die zer­stö­re­ri­schen Fol­gen des quan­ti­ta­ti­ven Vater­wahns des Patri­ar­chats. Neben dem zwang­haf­ten Quan­ti­täts­den­ken legt die Hybris der Väter­be­deu­tung aber auch die Saat für die bis heu­te weit ver­brei­te­te Theo­rie, dass der Vater der akti­ve Teil bei der Lebens­ent­ste­hung und die Mut­ter nur das pas­si­ve Gefäß sei­nes „Samens“ ist, was zum Bei­spiel auch sehr deut­lich wird in dem Mari­en­bild des Katho­li­zis­mus, das die Frau als Magd des HERRN defi­niert, wäh­rend der Pro­tes­tan­tis­mus sogar noch wei­ter geht und den Mytho­lo­gi­schen Mut­ter­mord als Basis hat. Tat­säch­lich ver­mit­teln wir aber nicht nur theo­lo­gisch, son­dern auch „natur­wis­sen­schaft­lich“ mit unse­rer Spra­che genau das Bild, dass die Mut­ter das pas­si­ve Gefäß für den „Samen“ des Vaters ist. Wir spre­chen beim Sper­mi­um von Samen, obwohl die Defi­ni­ti­on eines Samens den bereits fer­ti­gen Embryo beinhal­tet, was der Homun­cu­lus­theo­rie des Patri­ar­chats, aber nicht den mut­ter­bio­lo­gi­schen Tat­sa­chen ent­spricht. Aber selbst die Wör­ter Fort­pflan­zung, Befruch­tung, Besa­mung, Emp­fäng­nis, Zeu­gung oder das Wort schwän­gern, die wir auch heu­te noch alle ver­wen­den, ver­mit­teln das fal­sche Ver­ständ­nis des Vaters als akti­ven und wesent­li­chen Teil der Lebens­ent­ste­hung und die Frau und Mut­ter als neben­säch­li­chen und pas­si­ven Teil, wie Georg Reischl her­aus­ge­ar­bei­tet hat (sie­he https://​repro​duk​ti​on​-fort​pflan​zung​-ver​er​bung​.blog​spot​.de/).

Reli­gi­on muss im Zuge der Patri­ar­cha­li­sie­rung durch Theo­lo­gie ersetzt wer­den, denn eine Anbin­dung, eine Los­bin­dung und eine Rück­bin­dung – wie Reli­gi­on natür­li­cher­wei­se seit 500 000 Jah­ren Mensch­heits­ge­schich­te defi­niert ist, fin­det immer nur über den Kör­per der Mut­ter statt. Im Kör­per des Vaters ist das nicht mög­lich. Tau­chen also erst­mals männ­li­che Göt­ter auf, wie wir sie für das Neo­li­thi­kum auch bei Mari­ja Gim­bu­tas in ihrem Buch „Die Zivi­li­sa­ti­on der Göt­tin (1996, S. 249 – 251) beschrie­ben fin­den, hat bereits Theo­lo­gie begon­nen, denn Reli­gi­on, die auf die enge Nabel­an­bin­dung des Kin­des an die Mut­ter zurück­geht, was an vie­len Figu­ri­nen auch noch bis ins Metall­zeit­al­ter durch eine auf­fäl­li­ge Beto­nung des Nabels gut sicht­bar ist, kann auch heu­te nie­mals väter­lich, son­dern immer nur müt­ter­lich erfah­ren wer­den. Mari­ja Gim­bu­tas bezeich­net das weib­lich Gött­li­che in ihren gro­ßen Wer­ken „Die Zivi­li­sa­ti­on der Göt­tin“ (1996) und „Die Spra­che der Göt­tin“ (1998) als GÖTTIN und tat­säch­lich darf Gott MUTTER im Neo­li­thi­kum nicht mehr die asei­tä­ti­sche Gott MUTTER des Paläo­li­thi­kums sein, wel­che die Bin­dung an die Natür­li­che Inte­gra­ti­ve Ord­nung der Mut­ter spie­gelt, son­dern nur noch eine Göt­tin, die als Gegen­über immer einen Gott hat.

auf einem Hocker sitzender kraftvoller, jugendlicher Gott mit aufgerichtetem Phallus, Porodin, Westmakedonien, ca. 6000 v.u.Z.
Männ­li­che Göt­ter im Neo­li­thi­kum: (Alle Bild­er­klä­run­gen zitiert nach Mari­ja Gim­bu­tas) „Auf einem Hocker sit­zen­der kraft­vol­ler, jugend­li­cher Gott mit auf­ge­rich­te­tem Phal­lus, Poro­din, West­ma­ke­do­ni­en, ca. 6.000 v.u.Z.“;
„Sit­zen­der, mas­kier­ter Gott, der einen sichel­för­mi­gen Haken geschul­tert hat, Theiss-Kul­tur, frü­hes 5.Jtd.“
„Jüng­lings­ge­stalt mit auf­ge­rich­te­tem Phal­lus, mög­li­cher­wei­se ein Vor­läu­fer des hel­le­ni­schen Her­mes, Ses­klo, Thes­sa­li­en“ | Alle drei Bil­der ent­nom­men aus Gim­bu­tas, Mari­ja, 1996, S. 250

Schau­en wir uns den Wan­del von Reli­gi­on zu Theo­lo­gie genau­er an, so sehen wir am Ende des Neo­li­thi­kums, in der Kup­fer­stein­zeit, häu­fi­ger Paar­dar­stel­lun­gen, wie in Abbil­dun­gen aus der Haman­gia- und der ihr nach­fol­gen­den Gumel­ni­ta-Kul­tur am Schwar­zen Meer zu sehen ist: Göt­tin und Gott sind das hei­li­ge Paar.

Göt­tin und Gott aus der Haman­gia-Kul­tur, Cer­na­vo­da, Schwar­zes Meer, Rumä­ni­en, cir­ca 4.800 – 4.700 v.u.Z. | Foto: gemein­frei
Auch in die­ser Abbil­dung aus der Gumel­ni­ta­kul­tur, die der Haman­gia­kul­tur nach­folgt, sehen wir eine Paar­dar­stel­lung und den Mann mit expo­nier­tem Phal­lus; Datie­rung: zwi­schen 4.600 und 4.250 v.u.Z.; Bei­de Abbil­dun­gen fal­len in die Kup­fer­stein­zeit | Foto: Wiki­me­dia Com­mons, User Chris­ti­an­Chi­ri­ta

1.2 Die Entstehung patriarchaler Gesellschaftsstrukturen

Das Neo­li­thi­kum mit einer pro­du­zie­ren­den und sess­haf­ten Lebens­wei­se beginnt im ana­to­lisch-syri­schen Raum und im Gebiet des „Frucht­ba­ren Halb­monds“ ab 10.500 v.u.Z. | Foto: Wiki­me­dia Com­mons: User Mak­sim

Tat­säch­lich gehen mit der theo­lo­gi­schen Durch­set­zung des hei­li­gen Paars auch sozio­lo­gisch gro­ße Umbrü­che ein­her. Wie wir gese­hen haben, führt die Her­den­do­mes­ti­ka­ti­on von wie­der­käu­en­den, Roh­fa­ser ver­wer­ten­den, domes­ti­zier­ten Tie­ren wie Scha­fen und Zie­gen und ab 7000 v.u.Z. von Rin­dern zu einer Ver­än­de­rung in der männ­li­chen Öko­no­mie. Wäh­rend wir in der ers­ten Pha­se des Neo­li­thi­kums noch von einer matrifo­kal-kol­lek­ti­ven und ega­li­tä­ren Gesamt­hand­öko­no­mie aus­ge­hen kön­nen, ver­än­dert sich dies im Zuge der Her­den­do­mes­ti­ka­ti­on der­art, dass Pri­vat­ei­gen­tum ent­steht. Das ers­te Pri­vat­ei­gen­tum sind die den Män­nern zuge­rech­ne­ten Her­den von Scha­fen und Zie­gen, und ins­be­son­de­re dann die Her­den von Rin­dern. Die Ent­ste­hung von Pri­vat­ei­gen­tum ist also mit den capi­tes, den Häup­tern einer Her­de ver­knüpft. Das Ver­ständ­nis von Vater­schaft geht also sehr schnell mit Pri­vat­be­sitz ein­her.

Die Män­ner fol­gen auf der Suche nach neu­en Wei­de­grün­den ihren Her­den und so kön­nen wir ab 6000 v.u.Z. von Ana­to­li­en aus­ge­hen­de Rin­der­bau­ern-Migra­ti­ons­be­we­gun­gen in alle Rich­tun­gen nach­voll­zie­hen, wel­che die sess­haf­ten Rin­der­bau­ern zu Rin­der­no­ma­den macht. Inter­es­sant ist in die­sem Zusam­men­hang, dass die Stamm­form aller heu­ti­gen euro­päi­schen und vie­ler asia­ti­scher und afri­ka­ni­scher Rin­der­ras­sen gene­tisch alle von dem aus Ana­to­li­en kom­men­den Auer­och­sen (Bos pri­mi­ge­ni­us) abstam­men. (Bol­lon­gi­no, Ruth, 2006).

Die neu­en Rin­der­no­ma­den über­que­ren in Rich­tung Nor­den den Kau­ka­sus, in Rich­tung Süden zie­hen sie nach Syri­en, Elam (Iran), Meso­po­ta­mi­en, in das Indu­s­tal und nach Nord­afri­ka. Aber auch in Rich­tung Wes­ten nach Euro­pa begin­nen sie als soge­nann­te Linear­band­ke­ra­mi­ke­rIn­nen ab 5600 v.u.Z. ein­zu­wan­dern und tref­fen dort auf die immer noch wild­beu­te­risch leben­de Urbe­völ­ke­rung Alt­eu­ro­pas. (Bott, Ger­hard; 2014, S. 181 – 187).

Durch die Wan­de­run­gen ver­lie­ren die Frau­en der Rin­der­no­ma­den die Mög­lich­keit ihren bereits seit 10 500 v.u.Z. in Ana­to­li­en und in der Gegend des Frucht­ba­ren Halb­monds ent­wi­ckel­ten Bereich der Gar­ten­bau- und Pflan­zena­gri­kul­tur (Modus I/​II) fort­zu­set­zen und gera­ten damit in eine star­ke öko­no­mi­sche Abhän­gig­keit von den Män­nern. Mit der Erfin­dung des Pflugs ab 4500 v.u.Z. wer­den dann auch die Frau­en der noch sess­haf­ten Rin­der­bau­ern aus ihrem eigen­stän­di­gen Öko­no­mie­be­reich der Agri­kul­tur her­aus­ge­drängt, denn das Pflü­gen über­nimmt nun der Mann mit kas­trier­ten Och­sen, die aus sei­ner Rin­der­zucht stam­men. Der Mann wird Acker­mann. Spä­tes­tens hier ist die Frau öko­no­misch so geschwächt, dass der Mann neben der Patri­li­nea­ri­tät auch die Patri­lo­ka­li­tät und die damit ein­her­ge­hen­de Paa­rungs­fa­mi­lie durch­set­zen kann. Bott beschreibt den Umbruch zur Paa­rungs­fa­mi­lie fol­gen­der­ma­ßen:

Sobald die Bluts­fa­mi­lie ihre Funk­ti­on als Lebens- und Wirt­schafts-Gemein­schaft ein­ge­büßt hat, weil die agra­ri­sche Frau­en-Arbeits­ge­mein­schaft ihr pro­duk­ti­ves Tätig­keits­feld durch den Pflug ver­lo­ren und der Mann sich als Hof­ei­gen­tü­mer selbst­stän­dig gemacht hat, ist die Frau wirt­schaft­lich so geschwächt, dass sie froh ist, von einem rei­chen Rin­der­bau­ern „heim­ge­führt“ zu wer­den. Mit der neu­en Viri- oder Patri­lo­ka­li­tät kann der Mann jetzt auch die Paa­rungs­fa­mi­lie durch­set­zen, die ihm ja ganz beson­ders am Her­zen liegt: um sei­ner Vater­schaft sicher zu sein, muss der Mann die Frau, die Mut­ter „sei­ner“ Kin­der wer­den soll, in sei­nem Haus, oder Palast „domes­ti­zie­ren“, d.h. bestän­dig unter sei­ner Kon­trol­le hal­ten. Es ist des­halb allein das Inter­es­se des Man­nes, „sei­ne“ Frau in einer mono­ga­men EHE und Paa­rungs­fa­mi­lie zu iso­lie­ren“. (Bott, Ger­hard, 2014, S. 194/​195).

Die Bil­dung von Pri­vat­ei­gen­tum im Zuge der Her­den­do­mes­ti­ka­ti­on, die Ver­drän­gung von Frau­en aus einer eige­nen Öko­no­mie und schließ­lich die Durch­set­zung der Paa­rungs­fa­mi­lie füh­ren zu hier­ar­chi­schen Gesell­schafts­struk­tu­ren, die sich erst­mals eben­falls ab 4500 v.u.Z. in männ­li­chen Herr­scher­grä­bern in Arsan Tepe in Ana­to­li­en und in War­na am Schwar­zen Meer, dem heu­ti­gen Bul­ga­ri­en zei­gen. Hin­zu kommt, dass, nach­dem seit 8000 v.u.Z. bereits das Kalt­häm­mern von gedie­ge­nem Kup­fer betrie­ben wor­den war (Haar­mann, Harald, 2011S. 124 – 127). die Tech­nik des Bren­nens von Kera­mik in Kera­mik­brenn­öfen, wel­che die Frau­en ab 6500 v.u.Z. in Ana­to­li­en und in Süd­eu­ro­pa ent­wi­ckelt haben (eben­da S. 118), nun, ab cir­ca 5400 v.u.Z., die tech­ni­sche Grund­la­ge ist für die ers­te Ver­ar­bei­tung von Kup­fer durch Schmelz­ver­fah­ren. In der ers­ten Hälf­te des 5. Jt. gewinnt die Kup­fer­erz­ver­ar­bei­tung aus Berg­bau schließ­lich an Bedeu­tung. Die­se ist erst­mals im ost­ser­bi­schen Rud­na Gla­va und im bul­ga­ri­schen Al Bunar nach­ge­wie­sen. (Schier, Wolf­ram, 2010, S. 28). Der Berg­bau setzt einen Kul­tur­bruch der Ent­hei­li­gung von Mut­ter Erde vor­aus. (Arm­brus­ter, Kirs­ten, 2010, S. 196 – 200). In die­ser ers­ten Patri­ar­cha­li­sie­rungs­pha­se las­sen sich auch die ers­ten Gewalt­aus­übun­gen archäo­lo­gisch nach­wei­sen, die sich mit der Domes­ti­ka­ti­on des Pfer­des ab 4000 v.u.Z., und schließ­lich der Erfin­dung des Rades wahr­schein­lich um 3500 v.u.Z., mas­siv aus­wei­ten. Mit der Bron­ze­zeit beginnt das patri­ar­cha­le Kriegs­zeit­al­ter, das durch krie­ge­ri­sche Erobe­run­gen ab 3300 v.u.Z. durch Streit­wa­gen­krie­ger und spä­ter Rei­ter­krie­ger gekenn­zeich­net ist und sich in der Eisen­zeit ab 1400 v.u.Z. in Klein­asi­en und ab 1000 v.u.Z. als „schein­bar“ gesell­schaft­li­che Nor­ma­li­tät durch­setzt. (sie­he Zeit­ta­fel)

2. Die Heilige Hochzeit als politisch-theologisches Machtritual der Überhöhung männlicher Fruchtbarkeit zur Durchsetzung eines Gottkönigtums als Ausdruck weltlicher und theologisch-patriarchaler Herrschaftsmacht, an dessen Ende der Mythologische Muttermord steht

Der ägyp­ti­sche Gott Osi­ris mit Krumm­stab und Gei­ßel, den Macht­in­si­gni­en von Theo­lo­gie, im Grab des Sen­ned­jem | Foto: gemein­frei
Der Apisstier mit Voll­mond­schei­be, des­sen irdi­sche Inkar­na­ti­on Osi­ris war. Stier und Wid­der­op­fer fin­den wir auch noch in den mono­the­is­ti­schen Schrif­ten pro­mi­nent beschrie­ben.
Die ägyp­ti­sche Göt­tin Isis mit ihrem Sohn Horus; Foto: Franz Arm­brus­ter. Auf allen drei Bil­dern gut sicht­bar sind die bereits patri­ar­cha­len Rol­len­zu­schrei­bun­gen in der Ägyp­ti­schen Mytho­lo­gie: Osi­ris mit Herr­schafts­em­ble­men und Isis in der Dar­stel­lung eines typisch patri­ar­cha­len Mut­ter­bil­des mit Sohn.

Als Femi­nis­tin­nen in den 70er Jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts began­nen sich in Euro­pa und den USA mit weib­li­cher Spi­ri­tua­li­tät zu beschäf­ti­gen, stie­ßen sie in der Histo­ry, aus­ge­hend von den heu­ti­gen, auf dem Mytho­lo­gi­schen Mut­ter­mord auf­bau­en­den, tief patri­ar­cha­len abra­ha­mi­ti­schen Theo­lo­gi­en auf nament­lich genann­te Göt­tin­nen und auf die Hexen­ver­fol­gung, wel­che jede weib­li­che Reli­gi­on ver­nich­tet hat­te. Eine vom Main­stream der Gesell­schaft und den Medi­en bis heu­te nicht beach­te­te weit­läu­fi­ge Göt­tin­nen­be­we­gung ent­stand, die ver­ständ­li­cher­wei­se in der sys­te­ma­tisch-patri­ar­cha­len Gehirn­wä­sche­ge­schichts­klit­te­rung erst mal über jede Nen­nung weib­li­cher Gött­lich­keit froh war.

Die Patri­ar­chats­kri­tik­for­schung ging ab dem ers­ten Jahr­zehnt des 21. Jahr­hun­derts einen ande­ren Weg. Sie begann mit ihren For­schun­gen am Anfang der Mensch­heits­ge­schich­te, zog in ihre Betrach­tun­gen eine Viel­zahl von aka­de­misch zer­teil­ten For­schungs­ge­bie­ten wie die Anthro­po­lo­gie, die Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gie, die Bio­lo­gie, die Archäo­lo­gie, die Sozio­bio­lo­gie, die Lin­gu­is­tik, die Theo­lo­gi­en, die Sym­bol­my­tho­lo­gie und die Land­schafts­my­tho­lo­gie mit ein und leg­te durch die­sen viel­schich­ti­gen inter­dis­zi­pli­nä­ren Ansatz einen ganz ande­ren Blick auf den Ursprung der Mensch­heit und die Ent­ste­hung des Patri­ar­chats frei, der inzwi­schen sehr schlüs­sig und umfas­send mit zahl­rei­chen wis­sen­schaft­li­chen Ver­öf­fent­li­chun­gen unter­legt wur­de. Hier­bei wur­de deut­lich, dass am Anfang der Mensch­heits­ge­schich­te die Reli­gi­on von Gott MUTTER steht, wel­che in der Natür­li­chen Inte­gra­ti­ven Ord­nung der Mut­ter ein­ge­bet­tet ist, in wel­che die Men­schen­art nun mal hin­ein­ge­bo­ren wird. Es wur­de auch schlüs­sig dar­ge­legt, dass die Patri­ar­cha­li­sie­rung erst im Lau­fe des Neo­li­thi­kums ab cir­ca 8500 v.u.Z. mit der Hybris des Man­nes begann, sich als bio­lo­gi­scher Vater auf der glei­chen Ebe­ne wie die Mut­ter zu defi­nie­ren und in einer unhei­li­gen Alli­anz zwi­schen Land­wirt­schaft und Theo­lo­gie den Mann zu Gott zu erhe­ben. Was auf den ers­ten Blick part­ner­schaft­lich-gerecht zu sein scheint, zeigt aber in der nur 4000 Jah­re dau­ern­den Durch­set­zung der Paa­rungs­fa­mi­lie, die mit einer öko­no­mi­schen Abhän­gig­keit der Frau ein­her­geht (8500 – 4500 v.u.Z.), dass es beim Patri­ar­chat von Anfang an nie um Part­ner­schaft ging, son­dern immer schon um Herr­schaft. Kein Wun­der, steht doch am Anfang der Erkennt­nis von bio­lo­gi­scher Vater­schaft die männ­li­che Herr­schaft über die Tie­re, die mit der Her­den­hal­tung des Modus II/​III begann und sich inner­halb kür­zes­ter Zeit aus­wei­te­te als Herr­schaft über Frau­en, Kin­der, Skla­ven, die Erde, die Vege­ta­ti­on, die Welt. Bis heu­te gilt: Der HERR ist dein HIRTE und der HERR macht sich die Welt unter­tan durch Aus­beu­tung in jeg­li­cher Form, ins­be­son­de­re aber durch die Aus­beu­tung von Müt­tern, die bis in die Gegen­wart, geld­un­wert wie Skla­vin­nen, iso­liert in Paa­rungs­fa­mi­li­en, ideo­lo­gisch gekö­dert durch den „schöns­ten Tag des Lebens der Hei­li­gen Hoch­zeit“ den größ­ten Teil der lebens­not­wen­di­gen Für­sor­ge­ar­beit (Caring­ar­beit) erle­di­gen, oder als „Allein­er­zie­hen­de“ von Vater Staat hart­nä­ckig men­schen­un­wür­dig durch Väter­rechts­kla­gen und Wech­sel­mo­dell drang­sa­liert und in Armut gedrängt wer­den, eben­so wie die Mut­ter­r­ent­ne­rin­nen, die ihre gesell­schaft­li­che Schul­dig­keit getan und sys­tem­im­ma­nent in Alters­ar­mut getrie­ben wer­den, weil ihre gesell­schaft­li­che Arbeit nicht geach­tet, geschwei­ge denn mone­tär ent­lohnt wor­den ist.

Gehen wir also zu den Wur­zeln die­ses lebens­feind­li­chen Sys­tems und schau­en uns an, wie es erst zur Insti­tu­tio­na­li­sie­rung des Ritu­als der Hei­li­gen Hoch­zeit und den dar­auf fol­gen­den Mytho­lo­gi­schen Mut­ter­mord kam und begin­nen mit Meso­po­ta­mi­en, wo sowohl die „Hei­li­ge Hoch­zeit“ erst­mals von den Sume­rern zwi­schen 2700 und 2500 v. u.Z., als auch der Mytho­lo­gi­sche Mut­ter­mord im baby­lo­ni­schen Hel­den­epos Enu­ma Elish (1100 v.u.Z.) schrift­lich erwähnt wer­den.

2.1 Mesopotamien und Ägypten

Dass die ers­ten nament­lich genann­ten Göt­tin­nen und Göt­ter bereits aus mili­tä­risch-impe­ria­len Gesell­schaf­ten mit Skla­ven­hal­tung und einer Poli­ti­schen Theo­lo­gie stam­men, hat Ger­hard Bott in sei­nen bei­den Bän­den „Die Erfin­dung der Göt­ter – Essays zur Poli­ti­schen Theo­lo­gie (2009 und 2014) sowohl für die reichs­grün­den­den Pries­ter­fürs­ten Sumers und Ägyp­tens fun­diert beschrie­ben. (Bott, Ger­hard, 2009, S. 398 – 483, sowie 2014, S. 256 – 284 und S. 293 – 360). Und auch Caro­la Mei­er-Seet­ha­ler kor­ri­giert die Sicht­wei­se von Auto­rin­nen wie Doris Wolf, oder Hei­de Gött­ner-Abend­roth, wel­che in den Aris­to­kra­ti­schen Herr­schafts­kul­tu­ren in Meso­po­ta­mi­en, Elam (Iran) und Ägyp­ten ein „Matri­ar­cha­les Köni­gin­nen­tum“ mit einer „Göt­tin­nen-Thea­kra­tie“ und der „Hei­li­gen Hoch­zeit“ als Kern­stück eines angeb­li­chen Matri­ar­chats zu erken­nen glau­ben. Sie schreibt:

Zwar bestand das frü­he König- und Köni­gin­nen­tum von „Göt­tin Gna­den“, weil die Ober­pries­te­rin als Stell­ver­tre­te­rin der Göt­tin die Herr­schaft des Königs durch den Voll­zug der Hei­li­gen Hoch­zeit erst legi­ti­mier­te. Doch ist die Vor­stel­lung eines müt­ter­li­chen Regimes der Frau­en im Sin­ne der Wei­ter­füh­rung der ega­li­tä­ren Gemein­schafts­ord­nung im gro­ßen Maß­stab lei­der eine Illu­si­on … Zwei­fel­los befan­den sich die Köni­gin­nen in den rea­len Ver­hält­nis­sen der meso­po­ta­mi­schen Stadt­staa­ten und des Alten Ägyp­ten in Abhän­gig­keit von ihren Herr­scher­gat­ten, weil sie von die­sen oder von deren Vor­gän­gern in das Amt der Ober­pries­te­rin ein­ge­setzt wor­den waren. Bei­de Titel, den des Königs und den der Köni­gin gab es über­haupt erst, nach­dem ehr­gei­zi­ge Fürs­ten die Königs­macht mit mili­tä­ri­scher Gewalt eta­bliert hat­ten“. (Mei­er-Seet­ha­ler, Caro­la; 2011, S. 147).

Ger­hard Bott, der als ers­ter das Ritu­al der Hei­li­gen Hoch­zeit als patri­ar­cha­le Kul­tur­re­vo­lu­ti­on durch­schaut und es von der „matri­ar­cha­len“ Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on befreit hat, hat den tief­grei­fen­den patri­ar­cha­len Umbruchs der „Hei­li­gen Hoch­zeit“ in drei Aspek­te auf­ge­schlüs­selt. (Bott, Ger­hard, 2009, S. 163 – 208), wobei es sich bei genaue­rem Hin­se­hen erweist, dass alle drei Aspek­te ein­zig und allein dem Ziel des Herr­schafts­macht­zu­wach­ses männ­li­cher Frucht­bar­keit die­nen, der mit einem Phal­lus­kult und einem Eja­ku­lats­kult ein­her­geht, der als „Samen­kult“ zele­briert wird, obwohl männ­li­che Sper­mi­en kei­ne Samen sind, weil sie eben nicht den fer­ti­gen Embryo ent­hal­ten. Bott schreibt in sei­nem Kapi­tel über die Hei­li­ge Hoch­zeit:

Die­ser Kult hat, wie wir sehen wer­den, drei Aspek­te: Hei­li­gung der Frucht­bar­keit mit der er beginnt, danach Hei­li­gung und Legi­ti­ma­ti­on des Königs und Hei­li­gung des in der Hoch­zeit gezeug­ten und emp­fan­gen­den Thron­fol­gers. (eben­da, S. 163)“.

Der ers­te Aspekt der Hei­li­gen Hoch­zeit ist die Erhö­hung der männ­li­chen Frucht­bar­keit, die sich einer­seits auf die Rol­le des Man­nes als bio­lo­gi­scher Vater bezieht, was ihn in einem ers­ten Schritt zum HERRN SEINER KINDER macht, sich aber gleich­zei­tig auch im öko­no­mi­schen Bereich der Land-Wirt­schaft mani­fes­tiert, indem der Mann erst der HERR wird über die Frucht­bar­keit der Tie­re, was sei­ne paläo­li­thi­sche Rol­le als JÄGER und SCHAMANE der TIERE wan­delt zum HIRTEN und HERRN der TIERE und in einem zwei­ten Schritt durch die Aus­wei­tung des männ­li­chen Öko­no­mie­be­reichs durch den von Och­sen gezo­ge­nen Pflug auf die Frucht­bar­keit des Lan­des, was die Basis legt für das Ver­ständ­nis des Man­nes als HERRN des LANDES. Als HERR des LANDES wird der Mann der König des Lan­des. Natür­lich wird der neue Frucht­bar­keits­herr­schafts­macht­an­spruch des Man­nes – die neue HIERARCHIE – auch theo­lo­gisch abge­si­chert. Der Mann wird Hir­ten­gott und nun auch Vege­ta­ti­ons­gott. Schließ­lich wird er der Logik des phal­li­schen Eja­ku­lat­kults ent­spre­chend zu einem Regen- und Wet­ter­gott, dann wei­tet sich sein Macht­be­reich auf den gesam­ten Kos­mos aus und es ent­ste­hen mytho­lo­gisch Mond-, Son­nen- und Him­mels­gott, außer­dem wird er der Gott der Weis­heit und schließ­lich okku­piert der Mann auch die Hei­li­gen Wie­der­ge­burts-Vul­va-Höh­len von Gott MUTTER, er wird der Gott der Unter­welt, der HERR über Leben und Tod, wie der ägyp­ti­sche Gott Osi­ris oder auch der indo­eu­ro­päi­sche Hades, bevor er, der Mann sich nach dem Mytho­lo­gi­schen Mut­ter­mord schein­bar ewig­lich zum allei­ni­gen mono­the­is­ti­schen Schöp­fer­gott erhöht. Par­al­lel zur Aus­wei­tung des männ­li­chen theo­lo­gi­schen Macht­be­reichs bleibt nur noch Mut­ter Erde übrig, die aber nun belie­big aus­ge­beu­tet wer­den darf, denn der mono­the­is­ti­sche Vater­gott ver­fügt: „Machet euch die Erde unter­tan“. Das Glei­che erfolgt mit der Frau, die als Mut­ter zum pas­si­ven Acker eines dem männ­li­chen Frucht­bar­keit­wahns ver­fal­le­nen Man­nes degra­diert ist, wel­cher der Mann belie­big „pflü­gen“ darf. Der Ver­ge­wal­ti­gung ist damit Tür und Tor geöff­net. Und schau­en wir uns noch mal den drit­ten Machtas­pekt der „Hei­li­gen Hoch­zeit“ an, in der Thron­fol­ge­rech­te respek­ti­ve Sohn­thron­fol­ge­rech­te durch­ge­setzt wer­den sol­len, so spricht die Wort­wahl des übli­chen, natur­wis­sen­schaft­li­chen Voka­bu­lars Bän­de, denn es geht um die“Hei­li­gung des in der Hoch­zeit gezeug­ten und emp­fan­gen­den Thron­fol­gers“. Die­se auch heu­te noch schein­bar ange­mes­se­ne und gän­gi­ge Wort­wahl impli­ziert den vom Patri­ar­chat gewoll­ten Pas­si­vie­rungs­as­pekt der Mut­ter, denn der Vater zeugt und die Mut­ter emp­fängt.

Wie sehr Land­wirt­schaft und Theo­lo­gie mit­ein­an­der patri­ar­chal ver­knüpft sind, kön­nen wir an ver­schie­de­nen Tex­ten aus Meso­po­ta­mi­en fest­ma­chen, wo die „Hei­li­ge Hoch­zeit“ erst­mals von den Sume­rern zwi­schen 2700 und 2500 v. u.Z. schrift­lich erwähnt wur­de. (Bott, Ger­hard, 2009, S. 168). So gibt ein von A. Fal­ken­stein über­setz­ter alt­ba­by­lo­ni­scher Keil­schrift­text, der in die­se Zeit datiert wird, eine Wech­sel­re­de zwi­schen Ober­pries­te­rin und König wäh­rend des Ritu­als der Hei­li­gen Hoch­zeit wie­der, wel­che die­se enge Ver­knüp­fung zum Aus­druck bringt. Auf den ers­ten Blick erscheint es wie ein Lie­bes­ri­tu­al, doch auf den zwei­ten Blick offen­bart sich das Ritu­al als Mit­tel zum Zweck, oder wel­che Frau möch­te in einem ero­ti­schen Lie­bes­spiel ger­ne gepflügt wer­den?

Pries­te­rin:
Für den Wild­stier, für den Herrn
Habe ich mich geba­det
Wenn ich mei­ne Len­den in sei­ne zärt­li­chen Arme gebet­tet
Wenn er zum rei­nen Bet­te der Göt­tin kommt
Und er mir mit Milch und Sahn
Den Schoß glät­tet…
Wer wird mich, die Jung­frau pflü­gen
Mei­ne Vul­va und ihren was­ser­rei­chen Grund
Mich, die Köni­gin, wer wird sei­nen sto­ßen­den Stier fest­ma­chen?

König:
König­li­che Her­rin, der König selbst
Wird den Pflug über dich füh­ren
Der König selbst wird dir die Vul­va pflü­gen.
(zit. aus Mei­er Seet­ha­ler, Caro­la, 2011, S. 164; aus H. Hun­ger, 1984, S. 118).

Auch in Ägyp­ten sehen wir beim Gott Osi­ris, der einer­seits der Gat­te der Göt­tin Isis ist, die gemein­sam den Sohn Horus haben, gleich­zei­tig aber auch ihr Bru­der ist, weil Isis und Osi­ris die gemein­sa­me Mut­ter Nut haben, wie sehr sich Land­wirt­schaft und Theo­lo­gie mit­ein­an­der zu einem patri­ar­cha­len Kon­glo­me­rat ver­bin­den. Bereits in der 1./2. Dynas­tie, also zwi­schen 2700 und 2200 v.u.Z. gilt Osi­ris in Ägyp­ten als „Mond­gott und Spen­der der Feuch­tig­keit, als Gott der Äcker und Saa­ten und als der gro­ße Samen­spen­der, des­sen Phal­lus in rie­si­ger Nach­bil­dung auf Kult­pro­zes­sio­nen her­um­ge­tra­gen wur­de. Die irdi­sche Inkar­na­ti­on des Osi­ris sah man im „Apisstier“, des­sen Kult natür­lich mit regel­mä­ßi­gen Stier­op­fern ver­bun­den war. (Mei­er-Seet­ha­ler, Caro­la, 2011, S. 154).

Wir kön­nen also sehen, dass der Mann als Gott mit sei­ner Poli­ti­schen Theo­lo­gie inner­halb weni­ger Jahr­tau­sen­de Gott MUTTER des Paläo­li­thi­kums nach und nach ent­mach­tet durch die Pro­jek­ti­on aller Natur­er­schei­nun­gen auf den Mann, bei gleich­zei­ti­ger Auf­spal­tung von Gott MUTTER in unzäh­li­ge Göt­tin­nen, was neben der männ­li­chen Theo­lo­gi­sie­rung enorm zur Schwä­chung der ursprüng­li­chen Reli­gi­on von Gott MUTTER bei­ge­tra­gen hat. Mög­lich wird die­se mas­si­ve Aus­wei­tung der patri­ar­cha­len Macht des Man­nes nur dadurch, dass zwei Tabus des Paläo­li­thi­kums gebro­chen wer­den. Ers­tens die fema­le choice und zwei­tens das Inzest­ta­bu der matri­li­nea­ren Bluts­li­nie.

Tat­säch­lich kann in dem Ritu­al der Hei­li­gen Hoch­zeit, das über die Erhö­hung der Frucht­bar­keit des Man­nes die Herr­schaft des Man­nes über die Frau und als Gott­kö­nig über das Land nur durch den Bruch mit dem paläo­li­thi­schen matri­li­nea­ren Inzest­ta­bu auch der drit­te Aspekt patri­ar­cha­ler Herr­schaft durch­ge­setzt wer­den, die „Hei­li­gung des in der Hoch­zeit gezeug­ten und emp­fan­gen­den Thron­fol­gers“, die nur erfol­gen kann durch den Geschwis­te­rin­zest. Der Geschwis­te­rin­zest ist der Grund wes­halb wir in vie­len der Göt­ter­ge­nea­lo­gi­en Geschwis­ter fin­den, die gleich­zei­tig Sexu­al­part­ner sind, wie in Ägyp­ten, Isis und Osi­ris deren Mut­ter die Göt­tin Nut ist und die den gemein­sa­men Sohn Horus haben, oder auch in Grie­chen­land Hera und Zeus, deren Mut­ter die Göt­tin Rhea ist, und die gleich­zei­tig die vier gemein­sa­men Kin­der Ares, Hebe, Eileit­hya und Hephais­tos haben. Der Geschwis­te­rin­zest fin­det sich auch bei den semi­ti­schen Göt­tern Baal und Anath und auch in meso­po­ta­mi­schen Keil­schrift­tex­ten über die ursprüng­lich sume­ri­sche, die „Hei­li­ge Hoch­zeit“ voll­zie­hen­de Göt­tin Inan­na und den Hir­ten­gott Dumu­zi fin­den wir die Bezeich­nun­gen Bru­der und Schwes­ter, wobei die Datie­rung die­ser Tex­te nicht ganz klar ist und in der sume­ri­schen-theo­lo­gi­schen Genea­lo­gie Inan­na und Dumu­zi eigent­lich nicht als Geschwis­ter auf­ge­führt sind. Ger­hard Bott weist dar­auf hin, dass der Sume­ro­lo­ge Kra­mer in sei­ner eng­li­schen Über­set­zung die Datie­rung des Inan­na Mythen­kom­ple­xes nur unge­fähr auf den Beginn des zwei­ten Jahr­tau­sends datiert, wor­aus zu schlie­ßen ist, dass die Tex­te erst nach dem Unter­gang der sume­ri­schen Kul­tur ent­stan­den sind und viel­leicht erst auf den baby­lo­ni­schen König Ham­mu­ra­bi um 1720 v.u.Z. zurück­ge­hen. (Bott, Ger­hard, 2014, S. 295). In dem von Vera Zings­em aus dem Eng­li­schen ins Deut­sche über­setz­ten Mythen­kom­plex um Inan­na nach dem ame­ri­ka­ni­schen Sume­ro­lo­gen Samu­el Noah Kra­mer von 1983 in dem Buch „Göt­tin­nen gro­ßer Kul­tu­ren“ (2008) kön­nen wir über die sume­ri­sche Göt­tin Inan­na und ihre „Hei­li­ge Hoch­zeit“ mit dem Hir­ten­gott Dumu­zi lesen:

Inan­na sang:
„Mach dei­ne Milch süß und dick, mein Bräu­ti­gam.
Mein Hir­te, ich will dei­ne fri­sche Milch trin­ken.
Wil­der Stier Dumu­zi, mach dei­ne Milch süß und dick …
Fül­le mein hei­li­ges But­ter­faß mit honig­schme­cken­dem Käse …

Dumu­zi ant­wor­tet ein paar Zei­len wei­ter:

Dumu­zi sprach:
Mei­ne Schwes­ter, ich möch­te mit dir in mei­nen Gar­ten gehen.
Inan­na, ich möch­te mit dir in mei­nen Gar­ten gehen.
Ich möch­te mit dir in mei­nen Obst­gar­ten gehen.
Ich möch­te mit dir zu mei­nem Apfel­baum gehen.
Dort möch­te ich die süße honig­be­deck­te Saat pflan­zen“

Inan­na sprach:
„Er brach­te mich in sei­nen Gar­ten.
Mein Bru­der, Dumu­zi, brach­te mich in sei­nen Gar­ten“…

(Zings­em, Vera; 2008, S. 46)

Inan­na, die noch gro­ße Göt­tin der Sume­rer, die in der III. Dynas­tie von Ur noch im Besitz der geheim­nis­vol­len „Me-Kräf­te“, den Kräf­ten der Weis­heit ist (Mei­er-Seet­ha­ler, Caro­la, 2011, S. 163), von ihr wird spä­tes­tens zu Zei­ten von Ham­mu­ra­bi in den Mytho­lo­gi­schen Tex­ten über Inan­na und den Weis­heits­gott Enki berich­te, dass sie, die Göt­tin, nun von ihrem Vater Enki die Me, die Weis­heits­kräf­te, erhal­ten hat. Bei Vera Zings­em kön­nen wir lesen:

Enki, schwan­kend vor Trun­ken­heit, pros­te­te Inan­na zu:
„Im Namen mei­ner Macht! Im Namen mei­nes hei­li­gen Schrei­nes“!
Mei­ner Toch­ter Inan­na wer­de ich geben
Das hei­li­ge Pries­ter­tum! Gött­li­che Ehren und Wür­den!
Die vor­treff­li­che, Zei­ten über­dau­ern­de Kro­ne! Den Königs­thron!“

Inan­na ant­wor­te­te:
„Ich neh­me alles an!“

Enki hob sei­nen Becher und pros­te­te Inan­na ein zwei­tes Mal zu:
„Im Namen mei­ner Macht! Im Namen mei­nes hei­li­gen Schrei­nes!
Mei­ner Toch­ter Inan­na wer­de ich geben
Wahr­heit!
Abstieg in die Unter­welt! Auf­er­ste­hung aus der Unter­welt!
Die Kunst des Lie­bens! Das Küs­sen des Phal­lus!“
(Zings­em, Vera; 2008, S. 31)

Ein paar Zei­len wei­ter bestä­tigt Inan­na, dass sie, die Göt­tin, die hei­li­gen Me, die Weis­heits­kräf­te von ihrem Vater Enki emp­fan­gen hat. Sie spricht in dem über­lie­fer­ten Text:

Mein Vater hat mir die me über­ge­ben:
Er hat mir das Hohe­pries­ter­tum gege­ben.
Er hat mir die Got­tes­wür­de gege­ben“…… (eben­da)

Mehr als zwei Sei­ten lis­tet Inan­na genau auf, was sie ihrem Vater alles zu ver­dan­ken hat und der Text zeigt, dass das Patri­ar­chat zum Ent­ste­hungs­zeit­punkt der Tex­te die Göt­tin weit­ge­hend ent­mach­tet hat.

In den fol­gen­den, eben­falls aus Meso­po­ta­mi­en stam­men­den Gil­ga­mesch-Mythen, die, wie Bott schreibt aller­dings nicht zu Leb­zei­ten von König Gil­ga­mesch (2700 v.u.Z.), son­dern erst um 1100 v.u.Z. von einem semi­ti­schen Pries­ter ver­fasst wur­den, wird schließ­lich fest­ge­hal­ten, dass Gil­ga­mesch es als ers­ter König wag­te, der Gro­ßen Göt­tin die Hei­li­ge Hoch­zeit zu ver­wei­gern. Das zeigt, dass spä­tes­tens die semi­ti­schen Köni­ge so erstarkt waren, dass sie zur Legi­ti­ma­ti­on ihrer Herr­schaft auf den Segen einer Göt­tin ver­zich­ten konn­ten. Die, der sume­ri­schen Göt­tin Inan­na nach­fol­gen­de akka­di­sche Göt­tin Ishtar, die zur Regie­rungs­zeit von Sar­gon I. (2300 v.u.Z.) noch als Sie­ges­göt­tin und damit als Kriegs­göt­tin gefei­ert wur­de, ist zu die­sem Zeit­punkt bereits zu einer män­ner­mor­den­den Hure degra­diert, die alle Män­ner ins Ver­der­ben stürzt. (Bott, Ger­hard, 2009, S. 176).

Tat­säch­lich ste­hen wir 1100 v.u.Z. an der Schwel­le des gewalt­sa­men Umbruchs von der bili­nea­ren Abstam­mung als ers­ter Patri­ar­cha­li­sie­rungs­pha­se hin zu einem uni­li­ne­ar patri­li­nea­ren Abstam­mungs­ver­hält­nis als zwei­ter Patri­ar­cha­li­sie­rungs­pha­se, wel­che mit dem Mytho­lo­gi­schen Mut­ter­mord ein­ge­läu­tet wird, der in Meso­po­ta­mi­en in dem baby­lo­ni­schen Schöp­fungs­my­thos Enu­ma Elish, zu Zei­ten des semi­tisch-baby­lo­ni­schen Königs Nebu­kad­ne­zar, um cir­ca 1100 v.u.Z. ver­fasst wird und den Mord der Göt­tin Tiamat durch den Gott Mard­uk beschreibt. In Ägyp­ten war 1500 v.u.Z. unter der Herr­schaft des Pha­ra­os Ech­na­ton der Ver­such Gott Aton als ers­ten mono­the­is­ti­schen Son­nen­gott zu insti­tu­tio­na­li­sie­ren, noch geschei­tert. 400 Jah­re spä­ter gelingt in Meso­po­ta­mi­en der Mytho­lo­gi­sche Mord an Gott MUTTER. Das Patri­ar­chat ver­schärft sich und führt 650 v.u.Z., in der Zeit von König Josia in Kana­an mit dem ursprüng­li­chen Wet­ter­gott JAHWE zur Eta­blie­rung der ers­ten mono­the­is­ti­schen Theo­lo­gie, dem Juden­tum der Hebrä­er. (Bott, Ger­hard: 2009; S. 517 – 530). Dazu bedurf­te es des Mytho­lo­gi­schen Mut­ter­mords an der Göt­tin Asche­ra, wel­che ursprüng­lich sei­ne Gat­tin war und, wie im Alten Tes­ta­ment über­all zu lesen ist, nun als Greu­el­bild einer Göt­zin dämo­ni­siert wird. Teil der zwei­ten ideo­lo­gi­schen Patri­ar­cha­li­sie­rungs­pha­se, die mit schrift­li­chen Doku­men­ta­tio­nen ein­her­geht, ist es, die Schrif­ten in frü­he­re Zei­ten zu datie­ren, um den Anschein zu erwe­cken, dass Gott als Mann schon immer am Anfang des Lebens stand, was natür­lich absurd ist und eben nur Teil der Patri­ar­chats­pro­pa­gan­da.

2.2. Asien

Der Mut­ter­mord im Hin­du­is­mus: Shi­va trägt den Leich­nam Satis auf sei­nem Drei­zack | Foto: gemein­frei
Die Anna­ge­lung der tibe­ti­schen Gott MUTTER Land­schafts­ah­nin Srin­mo | Foto: Nach­zeich­nung Franz Arm­brus­ter

Natür­lich haben wir auch in Asi­en nicht nur das Ritu­al der „Hei­li­gen Hoch­zeit“, son­dern auch den Mytho­lo­gi­schen Mut­ter­mord. In der hin­du­is­ti­schen Mytho­lo­gie fin­den wir eben­falls die dem Patri­ar­chat eige­ne typi­sche Paar­theo­lo­gi­sie­rung zum Bei­spiel in den Göt­ter­paa­ren Shi­va und Shak­ti, Lak­sh­mi und Vish­nu oder auch bei Saras­va­ti und Brah­ma, wobei Saras­va­ti in der hin­du­is­ti­schen Mytho­lo­gie als Toch­ter und Gat­tin Brah­mas genannt wird. Wie in der obi­gen lin­ken Abbil­dung zu sehen, gibt es im Hin­du­is­mus auch die Dar­stel­lung des Mut­ter­mords, hier zwi­schen Shi­va und Shak­ti. Teil der patri­ar­cha­len Theo­lo­gi­sie­rung im Hin­dui­mus ist auch die Dämo­ni­sie­rung der abge­spal­te­nen, angeb­lich män­ner­mor­den­den und Kin­der­op­fer for­dern­den Schwar­zen Göt­tin Kali, die sich der „Hei­li­gen Hoch­zeit“ mit einem männ­li­chen Gott wider­set­zen konn­te und dafür dämo­ni­siert wird. Die Wit­wen­ver­bren­nun­gen (Sati) und die häu­fi­gen Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gun­gen in Indi­en, die viel­leicht bes­ser ver­ständ­lich wer­den, wenn frau den patri­ar­chal-herr­schaft­li­chen Hin­ter­grund die­ser ver­meint­lich „part­ner­schaft­li­chen Gott-Göt­tin-Theo­lo­gi­en“ ver­steht, ver­wei­sen dar­auf, dass es auch im Hin­du­is­mus nicht um Part­ner­schaft zwi­schen Frau und Mann geht, son­dern um theo­lo­gisch indok­tri­nier­te Herr­schaft des Man­nes über die Frau.

Auch der Bud­dhis­mus und ins­be­son­de­re auch der im Wes­ten so belieb­te, tibe­ti­sche Bud­dhis­mus mit sei­nen ritua­li­sier­ten tan­tri­schen Sex­prak­ti­ken ist tief patri­ar­chal. Das erkennt frau nicht nur dar­an, dass Bud­dha von sei­ner Mut­ter Maya nicht durch die Vul­va, son­dern durch die Hüf­te gebo­ren wur­de, son­dern auch an der ritua­li­sier­ten Anna­ge­lung der ursprüng­li­chen, tibe­ti­schen Gott-Mut­ter Land­schafts­ah­nin Srin­mo, aber natür­lich auch in der all­ge­mei­nen Frau­en­ver­ach­tung des Bud­dhis­mus. Eine aus­führ­li­che Dar­stel­lung der patri­ar­cha­len Indok­tri­na­ti­on im Hin­du­is­mus und Bud­dhis­mus wür­de den Rah­men die­ses Essays spren­gen. Mehr zu die­sem The­ma fin­det sich aber in mei­nem Buch „Das Mut­ter­ta­bu oder der Beginn von Reli­gi­on“. (Arm­brus­ter, Kirs­ten, 2010, S. 127 – 162).

2.3 Europa

Der dem grie­chi­schen Pan­the­on vor­ste­hen­de Göt­ter­va­ter Zeus/​röm. Jupi­ter raubt Euro­pa: Gemäl­de von Tizi­an | Foto: Wiki­me­dia Com­mons, User Aavin­draa

Schau­en wir auf Euro­pa, so fin­den wir dort zwar nicht die Bovi­den-Gott­kö­nig­tü­mer, wie in Meso­po­ta­mi­en und Ägyp­ten, aber auch in Euro­pa ist das Patri­ar­chat mit den Migra­ti­ons­be­we­gun­gen der Rin­der­bau­ern bis 4500 v.u.Z. ange­kom­men, was Gewalt­aus­schrei­tun­gen, wie das Mas­sa­ker von Tal­heim, bereits vor den von Mari­ja Gim­bu­tas beschrie­be­nen Kur­gan­in­va­sio­nen der Indo­eu­ro­pä­er aus den rus­si­schen Step­pen, zei­gen. Wie sehr sich die Reli­gi­on in Alt­eu­ro­pa spä­tes­tens durch die gewalt­sa­men Ein­fäl­le indo­eu­ro­päi­scher Equi­den­krie­ger ver­än­dert, hat Mari­ja Gim­bu­tas in ihrem wich­ti­gen Werk „Die Zivi­li­sa­ti­on der Göt­tin“ (1996, S. 351 – 401) aus­führ­lich beschrie­ben und wur­de auch in mei­nem Buch „Das Mut­ter­ta­bu oder der Beginn von Reli­gi­on“ aus­führ­lich rezi­piert. (Arm­brus­ter, Kirs­ten, 2010, S. 196 – 209).

Tat­säch­lich sind die indo­eu­ro­päi­schen Göt­ter­ge­nea­lo­gi­en der Grie­chen, Römer, Kel­ten und Ger­ma­nen tief patri­ar­chal und ihr Sozi­al­ver­hal­ten äußerst krie­ge­risch. Ihre theo­lo­gi­sche Herr­schafts­macht ist eng ver­bun­den mit Ver­ge­wal­ti­gung und bru­ta­ler Aneig­nung der Natur­macht und der Gebär­macht von Gott MUTTER. In der obi­gen Dar­stel­lung des Raubs der Euro­pa sehen wir das indo­eu­ro­pä­isch-theo­lo­gi­sche Prin­zip: Der Raub und die damit ein­her­ge­hen­de Ver­ge­wal­ti­gung von Alt­eu­ro­pa, nicht zufäl­lig durch den dem grie­chi­schen Pan­the­on vor­ste­hen­den Gott­va­ter Zeus, der bei den Römern Jupi­ter genannt wird, hier in Gestalt eines Stiers.

Ver­ge­wal­ti­gung ist also das Rück­grat der noch heu­te vom „Bil­dungs­bür­ger­tum“ als Hoch­kul­tu­ren geprie­se­nen indo­eu­ro­päi­schen Okku­pie­rung von Euro­pa, die natür­lich auch die „Hei­li­ge Hoch­zeit“, die soge­nann­te Hie­ros Gamos und fol­ge­rich­tig auch den Mytho­lo­gi­schen Mut­ter­mord ken­nen, denn Gott Zeus eig­net sich die Müt­ter­li­chen Gebär­kräf­te dadurch an, dass er die Weis­heits­göt­tin Metis ver­schlingt, was ihn, der patri­ar­cha­len Über­lie­fe­rung nach, dazu ermäch­tigt die Göt­tin Athe­ne aus sei­nem Kopf und den Gott Dio­ny­sos aus sei­nem Ober­schen­kel zu „gebä­ren“. Auch der grie­chi­sche Gott Apol­lon kann mit dem Mytho­lo­gi­schen Mut­ter­mord in Ver­bin­dung gebracht wer­den, denn sei­ne ers­te Tat war die Tötung der Schlan­gendra­chin Phy­ton in Del­phi. Del­phi bedeu­tet „Schoß oder Gebär­mut­ter“ und es war das berühm­tes­te Ora­kel Grie­chen­lands, wo die Göt­tin Gaia und ihr Sym­bol­tier, die Schlan­gendra­chin Phy­ton, die für die müt­ter­li­che Nabel­an­bin­dung steht, kul­tisch ver­ehrt wur­den. (Arm­brus­ter, Kirs­ten, 2010, S. 162).

Bei Hesi­od, dem berühm­ten Autor der grie­chi­schen Göt­ter­ge­nea­lo­gie (zwi­schen 700 und 600 v.u.Z.), den Bott als miso­gyn bezeich­net, weil er „Frau­en als „Got­tes­stra­fe für die Män­ner beschreibt“ (Hesi­od, Ver­se 590 – 595, S. 116, zit. aus Bott, Ger­hard, 2009, S. 500), kön­nen wir nach­le­sen, wie eng im Patri­ar­chat Miso­gy­nie, die „Hei­li­ge Hoch­zeit“ eines theo­lo­gi­schen Gott-Göttinnen-„Urelternpaares“ und der Mytho­lo­gi­sche Mut­ter­mord ver­knüpft sind. Hesi­od bezeich­net die Göt­tin Gaia zwar als ers­te und ein­zi­ge aus dem Cha­os ent­stan­de­ne Urgott­heit, was als Erin­ne­rung an die paläo­li­thi­sche Gott MUTTER zu sehen ist, aber er setzt in typi­scher patri­ar­cha­ler Paar-Theo­lo­gi­sie­rung einen Vater­gott dane­ben. Der Him­mels­gott Ura­nos wird von Gaia gebo­ren, da sie ja immer noch die Züge der asei­tä­ti­schen Gott MUTTER des Paläo­li­thi­kums trägt, aber mit Gaia und Ura­nos wird das ers­te gött­li­che Urel­tern­paar in Euro­pa nament­lich erwähnt und sofort beginnt das patri­ar­cha­le Cha­os. Der Vater­gott Ura­nos hasst sei­ne Kin­der, u.a. die Göt­tin Rhea und den Gott der Zeit, Kro­nos, und das Dra­ma nimmt sei­nen Lauf. Bott fasst die Ereig­nis­se zusam­men:

Da ihr Sohn-Gat­te Ura­nos alle ande­ren von sei­ner Mut­ter und Gat­tin zur Welt gebrach­ten Kin­der hass­te und sie im Schoß der Erde ver­barg (Ver­se 154 – 161), sann die Göt­tin Gaia auf Rache, die ihr jüngs­ter Sohn Kro­nos aus­führ­te (Ver­se 161 – 169). Gaia gibt ihrem Sohn Kro­nos eine Sichel, mit der Kro­nos das Geschlecht sei­nes Vaters Ura­nos in dem Augen­blick „abmäht“ (Vers 181), als sich der Vater vol­ler Lie­bes­ver­lan­gen über Gaia beugt. Das Blut des Ura­nos ver­leiht Gaia, der Erde, wei­te­re Frucht­bar­keit (Ver­se 157 – 187)“. (Bott, Ger­hard, 2009, S. 500).

Auch hier sehen wir wie­der die Expo­nie­rung männ­li­cher Frucht­bar­keit, wel­che inter­es­san­ter­wei­se zwei Fol­gen hat. Ein­mal wer­den dadurch die Tita­nen erzeugt (Vers 210), die Zeus, der Sohn der Göt­tin Rhea schließ­lich in einem mör­de­ri­schen Kampf ver­nich­tet, um sich selbst an die Spit­ze des Göt­ter­pan­the­ons zu stel­len und es pas­siert noch etwas Inter­es­san­tes, was wohl nur im Patri­ar­chat logisch ist: Der von Kro­nos abge­trenn­te Phal­lus sei­nes Vaters Ura­nos, wel­che die­ser ins Meer wirft, bringt das Meer zum Auf­schäu­men und die­sem Phal­lus-Eja­ku­lat-Schaum ent­steigt ohne Zutun einer Mut­ter die Göt­tin Aphro­di­te, wel­che nun eine rei­ne Vater­toch­ter ist. Dass die­ser Mytho­lo­gi­sche Mut­ter­mord in Euro­pa dann in der 458 v.u.Z. von dem Dich­ter Aes­chy­los geschrie­be­nen Ores­tie end­gül­tig besie­gelt wird, zeigt, dass die Grie­chen – genau­so wenig wie die ande­ren krie­ge­ri­schen indo­eu­ro­päi­schen Völ­ker der Römer, Kel­ten und Ger­ma­nen eine „demo­kra­ti­sche Hoch­kul­tur“ nach Euro­pa brach­ten, son­dern als ers­te ein har­tes Patri­ar­chat auch theo­lo­gisch insti­tu­tio­na­li­sier­ten. Wäh­rend in der „Alten Ord­nung der Erin­ny­en, Mut­ter­mord noch die ein­zig ewig unsühn­ba­re Sün­de war, wird der Mord von Orest, der sei­ne Mut­ter Klytämnes­t­ra tötet, in der Ores­tie durch einen Frei­spruch des Soh­nes gerecht­fer­tigt“. (Arm­brus­ter, Kirs­ten, 2010, S. 163). Im letz­ten Teil der Ores­tie fin­den wir fol­gen­de Wor­te:

Die man wohl Mut­ter heißt, ist des Gezeug­ten Zeu­ge­rin nicht, ist Amme nur des frisch gesetz­ten Keims. Es zeugt, der sie befruch­tet; sie hütet Anver­trau­tes nur, dem Gut des Gast­freunds gleich… Ich gebe gleich Euch den Beweis, dass Vater­schaft auch ohne Mut­ter sein kann: Als leben­di­ges Zeug­nis steht vor Euch die Toch­ter Zeus. Kein dunk­ler Schoß hat sie gebil­det, und doch ist sie so herr­lich geschaf­fen wie kein Göt­ter­kind“. (zit. in Mei­er-Seet­ha­ler, Caro­la; 1993, S. 140).

Der indo­eu­ro­päi­sche Mytho­lo­gi­sche Mut­ter­mord berei­tet den Boden für die zwei­te Pha­se der Patri­ar­cha­li­sie­rung in Euro­pa, in der eine, aus den tro­cke­nen Gebie­ten des Nahen Ostens stam­men­de, hir­ten­ideo­lo­gi­sche mono­the­is­ti­sche Vater-Gott-Sohn-Kriegs­theo­lo­gie in Form des Chris­ten­tums mit Gewalt in der unheil­vol­len Ver­qui­ckung von Poli­tik und Theo­lo­gie macht­po­li­tisch durch­ge­setzt wird. Heu­te schei­nen die mono­the­is­tisch-patri­ar­cha­len Kriegs­theo­lo­gi­en die Reli­gi­on besiegt zu haben. Doch der ideo­lo­gi­sche Schein trügt, denn die Natür­li­che Inte­gra­ti­ve Ord­nung der Mut­ter gilt auch jetzt noch unver­än­dert und damit auch die Reli­gi­on von Gott MUTTER. Wir müs­sen uns nur wie­der dar­an erin­nern, denn das Natur­ge­setz, dass alle Men­schen nabel­ge­bun­den im Kör­per einer Mut­ter her­an­wach­sen, hat sich trotz inten­si­ver Bemü­hun­gen der Repro­duk­ti­ons­me­di­zin, noch nicht ver­än­dert.

Das bedeu­tet: Gott MUTTER – die Ewi­ge - lebt immer noch und ihre uralte, im Paläo­li­thi­kum und gera­de auch in den Höh­len Euro­pas ver­wur­zel­te Reli­gi­on ist durch die Ergeb­nis­se der Patri­ar­chats­kri­tik­for­schung jetzt wie­der als Natur-Kult, ein­ge­bet­tet in eine fried­li­che, hoch­ent­wi­ckel­te Kul­tur, für alle sicht­bar.

Literaturverzeichnis

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Arm­brus­ter, Kirs­ten: Der Jacobs­weg – Kriegs­pfad eines Mau­ren­tö­ters oder Muschel­weg durch Mut­ter­land? Die Wie­der­ent­de­ckung der Wur­zeln Euro­pas – Teil 1; 2013

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Mei­er-Seet­ha­ler, Caro­la: Ursprün­ge und Befrei­un­gen – Eine dis­si­den­te Kul­tur­theo­rie, 2011

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