Gott MUTTER Darstellungen ab dem Neolithikum

Das Neo­li­thi­kum, die Jung­stein­zeit, ist gekenn­zeich­net durch eine Ver­än­de­rung der Pro­duk­ti­ons­wei­se. Wäh­rend Kera­mik­her­stel­lung bereits im Paläo­li­thi­kum unter Wild­beu­te­rin­nen zu fin­den ist, geht das Neo­li­thi­kum durch die Pflan­zun­gen von Frau­en mit Sess­haf­tig­keit ein­her. Die Jag­d­öko­no­mie läuft bis zum Beginn der Tier­zucht noch par­al­lel wei­ter (sie­he Kli­ma­ver­än­de­run­gen im Neo­li­thi­kum). Das Neo­li­thi­kum beginnt in Ana­to­li­en und im Vor­de­ren Ori­ent ab 10.500 v.u.Z.. In ande­ren Gebie­ten leben die Men­schen wei­ter­hin als Wild­beu­te­rin­nen, wes­halb man hier von Epi-Neo­li­thi­kum oder Meso­li­thi­kum spricht. In Süd­ost­eu­ro­pa beginnt die pro­du­zie­ren­de Wirt­schafts­wei­se ab 6.500 v.u.Z. und in Mit­tel- und West­eu­ro­pa ab 5500 v.u.Z. (sie­he Zeit­ta­fel der mensch­li­chen Geschich­te).

Gott MUTTER Schamanin von Hilazon Tachtit

Gott MUTTER Dar­stel­lung von Berek­hat Ram, Golan­hö­hen, Israel/​Syrien | Acheu­léen 280.000 – 250.000 v.u.Z.
Gott MUTTER Darstellung von Munchata
Gott MUTTER Dar­stel­lung von Mun­cha­ta, Golan­hö­hen, Israel/​Syrien | 6.000 v.u.Z.

Erläuterungen zu der Gott MUTTER Schamanin von Hilazon Tachtit

Das bis­her ältes­te jemals gefun­de­ne Scha­ma­nen­grab ist das Grab einer Scha­ma­nin. Da sich die Men­schen zu Beginn des Neo­li­thi­kums – wie im Paläo­li­thi­kum – GOTT aus­schließ­lich als MUTTER vor­stell­ten, han­delt es sich bei der Scha­ma­nin von Hil­azon Tach­tit um eine Scha­ma­nin von Gott MUTTER, was auch durch die Gott MUTTER Fun­de von Berek­hat Ram (280.000 – 250.000 v.u.Z). und Mun­cha­ta (cir­ca 6.000 v.u.Z.), die bei­de aus den Golan­hö­hen stam­men, reli­gi­ons­his­to­risch abge­si­chert ist. Das Alter der Gott MUTTER Scha­ma­nin von Hil­azon Tach­tit wird von der maß­geb­li­chen Archäo­lo­gin Leo­re Gros­man von der Hebräi­schen Uni­ver­si­tät in Jeru­sa­lem mit cir­ca 45 Jah­re ange­ge­ben und ihre Grö­ße auf 1,50 m.

Gott MUTTER Darstellung aus Qara, Saudi Arabien

Gott MUTTER Darstellung aus Qara
Gott MUTTER Dar­stel­lung aus Qara, Sau­di-Ara­bi­en | unein­heit­li­che Datie­rung ab ca. 10.000 v.u.Z. | Bild: Nach­zeich­nung Franz Arm­brus­ter aus Ana­ti, Emanuel:„Aux ori­gi­nes de l ´art“, 2003, S. 234/​235

Erläuterungen zu der Gott MUTTER Darstellung aus Qara, Saudi-Arabien

Die Datie­rung der Gott-MUT­TER Dar­stel­lung aus Sau­di-Ara­bi­en ist unein­heit­lich, da ange­nom­men wird, dass die cir­ca 3 m hohen Fels­zeich­nun­gen wohl zu unter­schied­li­chen Zei­ten ergänzt wur­den. Des­halb wird ein Ent­ste­hungs­zeit­raum zwi­schen 10.000 und 1.000 v.u.Z. datiert. Qara liegt im Nor­den Sau­di-Ara­bi­ens in der Nähe des Al Khana­fah Wild­life Sanc­tua­ry, unweit der Gren­zen zum heu­ti­gen Jor­da­ni­en und Irak. Tat­säch­lich hat Ara­bi­en eine uralte Gott MUTTER Tra­di­ti­on der Bai­tyl, der hei­li­gen Stei­ne (sie­he auch Arm­brus­ter, Kirs­ten: Gott die MUTTER, 2013, S. 25/​26), die sich auch in Mek­ka im schwar­zen Stein der Kaa­ba zeigt, der bis heu­te von einer vul­va­för­mi­gen Sil­be­r­ein­fas­sung umrahmt wird, und sogar noch das reli­giö­se Zen­trum der vor­is­la­mi­schen Göt­tin­nen Al-lat, Manat und Al-Uzza war. Im Zen­trum von Mek­ka befin­det sich bis heu­te der Brun­nen Zam Zam, wel­cher der Stamm­mut­ter der Ara­ber Hagar geweiht ist. (mehr dazu in Arm­brus­ter, Kirs­ten: Je suis Char­lè­ne, 2015)

Gott MUTTER Darstellung mit Doppelaxt-T-Symbol (Labrys)
aus der Höhle Palanli bei Adiyaman, Kappadokien, Türkei | Datierung: Ende Paläolithikum bzw. Epipaläolithikum

Gott MUTTER Darstellung aus der Höhle Palanli
Gott MUTTER Dar­stel­lung aus der Höh­le Pal­an­lii, Tür­kei | Bild: Nach­zeich­nung von Franz Arm­brus­ter aus Ana­ti, Ema­nu­el: „Aux ori­gi­nes de l’art“, 2003, S. 229
Goldene Doppelaxt, Kreta
Gol­de­ne Dop­pel­axt als T-Wie­der­ge­burts­sym­bol; Archäo­lo­gi­sches Muse­um Hera­kli­on, Kre­ta | Bild: GNU Free Licen­se, Wolf­gang Sau­ber

Grab Nr. 43 mit gol­de­ner Dop­pel­axt als T-Wie­der­ge­burts­sym­bol, gol­de­ner Penis­kap­pe und Vagi­nas­tein zwi­schen den Bei­nen, War­na, Bul­ga­ri­en | Bild: GNU Free Licen­se, Yel­kro­koya­de.

Die Grä­ber in War­na stam­men aus der Kup­fer­stein­zeit und zäh­len zu den ers­ten Herr­schafts­grä­bern der Mensch­heit und die Dop­pel­axt stammt bereits aus dem patri­ar­chal-minoi­schen Kre­ta. (sie­he Zeit­ta­fel)

Erläuterungen zu den Gott MUTTER Darstellungen mit Doppelaxt-T-Symbol (Labrys)

In der Höh­le Pal­an­li fin­den sich Tier­zeich­nun­gen aus dem Aurigna­ci­en. Bei der obe­ren Zeich­nung wird die Datie­rung von Emma­nu­el Ana­ti in sei­nem Buch jedoch mit Ende des Paläo­li­thi­kums ange­ge­ben. Auf die­ser Zeich­nung deut­lich sicht­bar sind neben der Gro­ßen Gott MUTTER Dar­stel­lung, meh­re­re wei­te­re weib­li­che Dar­stel­lun­gen sowie ein weib­li­cher Unter­leibs­tor­so. Unter den Frau­en­ab­bil­dun­gen befin­det sich – fein punk­tiert – eine Tier­zeich­nung. Außer­dem fin­den sich dort die Ritz­zeich­nun­gen zwei­er Son­nen, die even­tu­ell den Tages­ver­lauf der Son­ne von Ost nach West wie­der­ge­ben und ein wich­ti­ger Anhalts­punkt waren für den natur­ba­sier­ten Wie­der­ge­burts­glau­ben in der Reli­gi­on von Gott MUTTER. Auf­fal­lend an der Zeich­nung ist die Dop­pel­axt, die Lab­rys als deut­lich sicht­ba­res T-Wie­der­ge­burts-Sym­bol – das wir ja bereits in zahl­rei­chen Abbil­dun­gen in Mut­ter­höh­len­hei­lig­tü­mern aus dem Paläo­li­thi­kum nach­wei­sen konn­ten (Sie­he Höh­len von Alta­mi­ra und Pech Mer­le) und auch noch spä­ter als Lab­rys in Kre­ta oder in kup­fer­stein­zeit­li­chen Grä­bern in War­na und aus Jade in Dol­men­grä­bern in der Bre­ta­gne in Frank­reich fin­den.

Deut­lich ist, dass es sich bei den Lab­rys-Dop­pel­äx­ten nicht um Waf­fen han­delt, denn weder Gold noch Jade sind geeig­ne­te Werk­stof­fe als Arbeits- oder gar Kriegs­ge­rät. Tat­säch­lich hat die Lab­rys eine enge Wort­ver­wandt­schaft mit den Venu­slip­pen der Vul­va, die auch als Labi­en bezeich­net wer­den und mit dem Laby­rinth. Tat­säch­lich heißt Laby­rinth „Haus der Lab­rys“ und das Laby­rinth ist folg­lich das Sym­bol der Gebär­mut­ter, der Raum der Geburt und der Wie­der­ge­burt. (Arm­brus­ter, Kirs­ten: Das Mut­ter­ta­bu oder der Beginn von Reli­gi­on, 2010, S. 102). Das ZDF berich­te­te 2004 in einer Ter­ra X Sen­dung über das Laby­rinth, dass in Indi­en bis heu­te das Laby­rinth die Gebär­mut­ter ver­kör­pert und sei­ne Rin­ge den Weg des Unge­bo­re­nen durch die sie­ben Räu­me ins Leben wie­der­ge­ben. (ZDF Media­thek, 9.8.2004).

In enger Ana­lo­gie steht die Lab­rys-Dop­pel­axt zu den Flü­geln der Schmet­ter­lin­ge. Der Schmet­ter­ling ist eben­falls wie die Schlan­ge ein Sym­bol für die Meta­mor­pho­se des Lebens. Caro­la Mei­er-Seet­ha­ler schreibt dazu:

Der Schmet­ter­ling … gilt im Alten Kre­ta als ein See­len­tier, das Erd­ge­burt, Todes­wand­lung und Neu­ge­burt sym­bo­li­siert. Sein jähr­li­ches Abster­ben im Herbst und sein Wie­der­er­schei­nen im Früh­ling unter­stützt den Gedan­ken an die Wie­der­ge­burt“. (Mei­er-Seet­ha­ler, Caro­la: Von der gött­li­chen Löwin zum Wahr­zei­chen männ­li­cher Macht“; Ursprung und Wan­del gro­ßer Sym­bo­le, 1993, S. 41).

Mutterhöhlenheiligtümer – Von Menschen gebaut

Wäh­rend im Paläo­li­thi­kum die Höh­len als Mut­ter­höh­len­hei­lig­tü­mer Natur­räu­me der Reli­gi­on von Gott MUTTER sind, fin­den wir im Neo­li­thi­kum erst­mals von Men­schen gebau­te Mut­ter­höh­len­hei­lig­tü­mer als Orte des Toten­kults und der Wie­der­ge­burt. Natür­lich wer­den die­se Sakral­bau­ten dem Kör­per der Mut­ter nach­ge­stal­tet. So fin­den wir ab 9600 v.u.Z. in Göbe­kli Tepe, in Ana­to­li­en, in der Tür­kei, unter von Men­schen ange­häuf­ten bauch­för­mi­gen Erd­hü­geln, kreis­run­de, stei­ner­ne Gebär­mut­ter­räu­me mit Vagi­na als Gebär­ka­nal als frü­he For­men eines Laby­rinths in Ver­bin­dung mit T-Wie­der­ge­burts­säu­len und Scha­len­stei­nen. Auch die Dol­men­grä­ber mit bauch­för­mi­gem Tumu­lus in West­eu­ro­pa, die zum Bei­spiel in Por­tu­gal bis heu­te Mámo­as hei­ßen, spie­geln die Wie­der­ge­burts­re­li­gi­on von Gott MUTTER wider. Erst­mals in Mal­ta und Gozo fin­den wir schließ­lich die ers­ten Tem­pel­an­la­gen und Toten­kult­stät­ten als Ganz-Kör­per­tem­pel von Gott MUTTER, eben­so wie in Sar­di­ni­en, in Sizi­li­en und in Irland und tat­säch­lich fin­den wir bei­des – aller­dings patri­ar­chal besetzt – bis heu­te in den Kathe­dra­len. Wir mögen heu­te von müt­ter­li­chen Kör­per­lich­kei­ten ent­frem­det sein, die Men­schen der Stein­zeit waren es nicht. Sche­ma­zeich­nun­gen des müt­ter­li­chen Kör­pers ver­deut­li­chen die vom Phal­lus- und Sexua­li­sie­rungs­kult des Patri­ar­chats ver­dräng­te matrifo­ka­le Sicht­wei­se der Stein­zeit.

Der mütterliche Körper als Vorlage für die ältesten Gott MUTTER Tempel

Die anwach­sen­den Kör­per­räu­me einer Frau wäh­rend der Schwan­ger­schaft, in der Mit­te die Gebär­mut­ter mit der Vagi­na als Gebär­ka­nal | Zeich­nun­gen: Franz Arm­brus­ter
der Gebärmuttertempelanlage mit T-Pfeilern in Göbekli Tepe
Ältes­ter Teil der Gebär­mut­ter­tem­pel­an­la­ge mit T-Pfei­lern in Göbe­kli Tepe, Ana­to­li­en, Tür­kei | Schicht III, Datie­rung 9000 – 8500 v.u.Z. | Zeich­nung: Franz Arm­brus­ter.
Tat­säch­lich heißt Göbe­kli Tepe über­setzt nichts ande­res als „bau­chi­ger Hügel“ oder auch „Hügel mit Nabel“.
Dolmen à couloir in Kercado in Carnac
Dem glei­chen müt­ter­li­chen Kör­per­ver­ständ­nis lie­gen auch die Dol­men­grä­ber in West­eu­ro­pa zugrun­de, hier als Bei­spiel der Dol­men à cou­loir in Ker­ca­do in Car­nac. Der Dol­men lag unter einem Bauch­hü­gel (Tumu­lus). Er ist umge­ben von Men­hi­ren und gehört zu den ältes­ten Dol­men von Car­nac; Bre­ta­gne, Frank­reich | Datie­rung: C.14, nicht kali­briert: 4.670 v.u.Z. | Foto: Franz Arm­brus­ter, Musée de pré­his­toire, Car­nac

Körpertempel von Gott MUTTER in Malta und Gozo, 4.100 – 2.500 v.u.Z.

Gott MUTTER Tempel von Gigantija auf Gozo
Gott MUTTER Tem­pel von Gigan­ti­ja auf Gozo | Bild: GNU Free Docu­men­ta­ti­on Licen­se, Aut­hor: Hame­lin de Guette­let
Figurine aus dem Hypogäum von Hal Saflieni
Gott MUTTER aus Hal Saf­lie­ni | Bild: Wiki­me­dia Com­mons, Aut­hor: Jvdc
Tempel von Tarxien auf Malta
Gott MUTTER Tem­pel von Tar­xi­en auf Mal­ta | Bild: GNU Free Docu­men­ta­ti­on Licen­se, Aut­hor: Hame­lin de Guette­let

Erläuterungen zu den Körpertempeln von Gott MUTTER in Malta und Gozo

Die Gott MUTTER Tem­pel von Gigan­ti­ja auf Gozo und die Tem­pel von Tar­xi­en auf Mal­ta spie­geln in ihrem Auf­bau deut­lich den Kör­per von Gott MUTTER. Die schla­fen­de Gott MUTTER Figu­ri­ne aus dem Hypo­gäum von Hal Saf­lie­ni, einem wei­te­ren unter­ir­di­schen Mut­ter­hei­lig­tum in Mal­ta, das auf 3.800 – 2.500 v.u.Z. datiert wird und des­sen Wän­de mit ocker­far­be­nen Male­rei­en geschmückt sind, dien­te als Begräb­nis­stät­te, so wie Göbe­kli Tepe in der Tür­kei.

Sehr deut­lich wird an die­ser Stel­le das stein­zeit­li­che Ver­ständ­nis des Todes, das als Schlaf wahr­ge­nom­men wird, sicht­bar. So wie die Son­ne jeden Abend im Wes­ten rot am Hori­zont ver­sinkt und am Mor­gen im Osten eben­falls rot wie­der­ge­bo­ren wird, so wur­de der Tod durch die­ses Natur­ver­ständ­nis ver­stan­den und daher nicht gefürch­tet. Er glich dem Schlaf. In der Schwär­ze der Nacht fin­det die Wie­der­ver­wand­lung des Todes in neu­es Leben statt.

Die Höh­le des Paläo­li­thi­kums wird nun im Neo­li­thi­kum auf­grund der Sess­haf­tig­keit im Unter­ir­di­schen nach­ge­baut. Die­ses Ver­ständ­nis des „Guten Todes“, patri­ar­chal über­la­gert, aber trotz­dem sicht­bar, ist in den Schwar­zen Madon­nen erhal­ten geblie­ben. Beson­ders deut­lich tritt es in der Schwar­zen Madon­na „La Bon­ne Mort“, der Guten Frau Tod aus Cler­mont Fer­rand in der Auver­gne in Frank­reich zuta­ge. (mehr dazu in: Arm­brus­ter, Kirs­ten: Der Muschel­weg – Auf den Spu­ren von Gott MUTTER, 2014, S. 140 – 152).

Körpertempel von Gott MUTTER aus Sardinien und Sizilien 4.000 – 2.500 v.u.Z.

Der Kör­per von Gott MUTTER ist deut­lich sicht­bar.

Körpertempel von Gott MUTTER aus Sardinien und Sizilien
1: Mont­essu, Vil­la­pe­ruc­cio | Ozie­ri-Kul­tur, Sar­di­ni­en | 4.000 – 3.500 v.u.Z.
2: San Ber­ne­det­to, Igle­si­as | Ozie­ri-Kul­tur, Sar­di­ni­en | 4.000 – 3.500 v.u.Z.
Körpertempel von Gott MUTTER aus Sardinien und Sizilien
3: San Andrea Priu, Bonor­va | Ozie­ri-Kul­tur, Sar­di­ni­en | 4.000 – 3.500 v.u.Z.
Körpertempel von Gott MUTTER aus Sardinien und Sizilien
3: Castel­lu­cio, Noto | Sizi­li­en | 3.000 – 2.500 v.u.Z.

Körpertempel von Gott MUTTER aus Carrowkeel

Körpertempel von Gott MUTTER aus Carrowkeel
Kör­per­tem­pel von Gott MUTTER aus Car­row­keel, Irland, Coun­ty Sli­go, Nord­west­ir­land | 2. Hälf­te des 4. Jahr­tau­sends (Iri­sches Neo­li­thi­kum) | Foto ent­nom­men und inver­tiert aus Gim­bu­tas, Mari­ja: Die Spra­che der Göt­tin; 1998, S. 153

Körpertempel in der Tradition von Gott MUTTER in den Kathedralen, heute patriarchal überlagert

Grundriss Kathedrale von Canterbury
Kathe­dra­le von Can­ter­bu­ry, Eng­land | Bild: Wiki­me­dia Com­mons; Aut­hor: Georg Dehio/​Gustav von Bezold
Grundriss der Kathedrale in Chartres
Kathe­dra­le von Char­tres, Dépar­te­ment Eure-et-Loire, Frank­reich | Bild: Wiki­me­dia Com­mons, Aut­hor: Hubertl
Labyrinth aus der Kathedrale von Chartres
Laby­rinth aus der Kathe­dra­le von Char­tres | Bild: Wiki­me­dia Com­mons, Autor: Ssol­bergj

Erläuterungen zu den Kathedralen

Bei den Kathe­dra­len deut­lich sicht­bar ist der Ursprung der Kathe­dra­len aus der stein­zeit­li­chen Tra­di­ti­on der Kör­per­tem­pel von Gott MUTTER. Das Gott VATER Chris­ten­tum hat das herr­schaft­lich-patri­ar­chal okku­piert.

Die Kathedrale in Canterbury

Natür­lich gibt es auch heu­te noch eine Maria in Can­ter­bu­ry: Our Lady of Can­ter­bu­ry. Die christ­li­che Maria ist im Gegen­satz zur Gott MUTTER der Stein­zeit eben­falls stark patri­ar­chal okku­piert. Sie wird heu­te zwar noch die Mut­ter­got­tes genannt, aber sie selbst darf nicht mehr GOTT sein und in ihrer Mut­ter­rol­le wird sie zum pas­si­ven, die­nen­den Gefäß eines Gott VATERS degra­diert. Die­se vom Patri­ar­chat pro­pa­gier­te, die­nen­de Mut­ter­rol­le unter­schei­det sich fun­da­men­tal von dem vor­pa­tri­ar­cha­len, matrifo­ka­len Mut­ter­bild.

Die Kathedrale von Chartres und das Labyrinth aus der Kathedrale von Chartres

Das Laby­rinth in Char­tres hat 12 m im Durch­mes­ser und elf kon­zen­tri­sche Krei­se und in der Mit­te ist eine Blu­me – die Blu­me als Sym­bol für die Vul­va. Die Kathe­dra­le von Char­tres ist eine Kathe­dra­le in der Tra­di­ti­on der Not­re Dame. In der Kathe­dra­le befin­det sich des­halb auch eine bekann­te, wohl ursprüng­lich Schwar­ze Madon­na. Ihr Name spricht für sich: Es ist die Not­re-Dame-Sous-Terre, also die gött­li­che Mut­ter unter der Erde, sprich: Gott MUTTER aus der Höh­le des Paläo­li­thi­kums. Kein Wun­der: Waren doch die Höh­len die Kathe­dra­len der Stein­zeit!

Petroglypen als Nabelsteine in Form eines Gebärmutter-Labyrinths von Gott MUTTER

Laxe das Rodas, Gali­ci­en, Spa­ni­en

Fotos: Franz Arm­brus­ter

Erläuterungen zu den Petroglyphen

Aus der Stein­zeit – der Zeit der Hei­li­gen Stei­ne – stam­men auch Fels­ritz­zeich­nun­gen in Form eines Laby­rinths. Nicht nur in Val­ca­mo­ni­ca in Ita­li­en fin­den wir ein run­des, in Fels geritz­tes Laby­rinth, son­dern auch zahl­reich in Gali­ci­en im Nord­wes­ten Spa­ni­ens, wo nicht zufäl­lig der Muschel­weg, den das Patri­ar­chat Jacobs­weg nennt, ver­läuft. Gut erhal­ten sind die Petro­gly­phen aus Laxe das Rodas auf der Halb­in­sel Lou­ro bei Muros. Auch sie ver­kün­den den Ursprung des Laby­rinths als Gebär­mut­ter mit sei­nen Umläu­fen, die Zeit der Schwan­ger­schaft wider­spie­gelnd, die das wach­sen­de Leben, genährt durch die Nabel­schnur, im Leib der Mut­ter braucht, bis es von ihr gebo­ren wird. Die­ser Vor­gang war hei­lig im Paläo­li­thi­kum und im Neo­li­thi­kum. Er war Gegen­stand der Reli­gi­on. Nicht der Phal­lus, nicht das „Der-nack­te-Frau­en­kör­per-ist-Sex­ob­jekt-des-Man­nes-Den­ken“ der tief patri­ar­chal-sexis­ti­schen Archäo­lo­gie.

Deut­lich zu sehen auf die­sen Bil­dern ist der Scha­len­stein als Nabel­stein – wie er auch in den T-Wie­der­ge­burts­säu­len in Göbe­kli Tepe in der Tür­kei in Anla­ge D zu fin­den ist. (mehr zu den Petro­gly­phen von Laxe das Rodas in dem Buch: Arm­brus­ter, Kirs­ten: Der Muschel­weg – Auf den Spu­ren von Gott der MUTTER“, 2014, S. 30 – 43).